Caffenol-Rezepte im Vergleich: welches passt wozu
C-M, C-H, Delta: welches Caffenol-Rezept zu welchem Material gehört, und woran du erkennst, was schiefgelaufen ist.
22. August 2026 · 5 min Lesezeit · Przemek ZajfertEs gibt nicht das eine Caffenol-Rezept. Es gibt eine Handvoll, und sie unterscheiden sich weniger in der Idee als im Material, für das sie gedacht sind: normal empfindlicher Film, empfindlicher Film, Mikrofilm, Fotopapier. Wer das falsche erwischt, bekommt kein kaputtes Bild, sondern ein blasses. Dieser Text sortiert die gängigen Varianten, sagt wozu sie gehören, und zeigt danach, woran du erkennst, was schiefgelaufen ist.
In unserer Kamera liegt genau ein Bogen Papier. Eine Hälfte hat jemand belichtet, die andere jemand anderes, vielleicht Jahre später. Es gibt keinen zweiten Versuch. Deshalb ist die Frage, welches Rezept in die Schale kommt, hier keine Geschmacksfrage, sondern die letzte Entscheidung vor dem Bild.
Was Caffenol chemisch überhaupt ist, warum nicht das Koffein die Arbeit macht und welche drei Zutaten welche Aufgabe haben, steht im Beitrag über die Grundlagen. Hier geht es um die Unterschiede zwischen den Rezepten.
Die gängigen Varianten, nach Material sortiert
Caffenol-C-M, der Standard für normalen Film. Pro Liter Wasser: 40 g Instantkaffee, 56 g Waschsoda, 16 g Vitamin C. Entwicklungszeit rund 12 bis 15 Minuten bei 20 °C (whatyousee.ch, gelesen am 22.08.2026). Das ist der Ausgangspunkt, an dem sich alles andere misst.
Caffenol-C-H, wenn der Film empfindlicher ist. Gleiche Grundidee, ergänzt um eine kleine Menge Kaliumbromid gegen die Schleierbildung. Genau diesen Zweck beschreibt auch photoinfos.com für seinen Ansatz: etwa 0,5 g Kaliumbromid pro halbem Liter bei Filmen über ISO 100, ohne dass sich die Zeit ändert (photoinfos.com, gelesen am 22.08.2026). Wir führen hier nur diese eine Quelle, also taste dich heran statt die Menge zu übernehmen.
Caffenol-C-L, für lange Standentwicklung. Hier wird stark verdünnt und über eine lange Zeit kaum bewegt. Ein dokumentierter Ansatz für Kodak T-MAX 400: 8 g Soda, 5 g Vitamin C, 1 g Kaliumbromid und 20 g Kaffee auf 500 ml Wasser, insgesamt 60 Minuten bei 20 °C. Bewegt wird zu Beginn zehnmal, danach dreimal nach 1, 2, 4, 8, 16 und 32 Minuten, den Rest der Zeit steht die Dose (haun-media.de, gelesen am 22.08.2026).
Delta-STD und Delta-MIC, die Spezialisten. Für Ilford Delta 400: 1 Liter Wasser, 24 g Soda, 20 g Vitamin C, 45 g Kaffee. Für Agfa Copex Rapid, einen Mikrofilm: 1 Liter Wasser, 22 g Kaffee, 32 g Soda, 10 g Vitamin C. Beide 9 bis 11 Minuten bei 20 °C (caffenol.org, gelesen am 22.08.2026).
Und das Rezept, das bei uns in der Kamera liegt. 250 ml Wasser, 15 g Natron, 4 g Vitamin C, 10 g Instantkaffee, rund fünf Minuten, für einen einzelnen Bogen Fotopapier im A5-Format.
Eine Umrechnung, die beim Vergleichen ständig gebraucht wird: Wo eine Quelle wasserfreies Soda angibt und eine andere die kristalline Form, liegt zwischen beiden etwa der Faktor 2,7. caffenol.org nennt den Faktor selbst und rechnet ihn vor: 24 g entsprechen 65 g, 32 g entsprechen 86 g (caffenol.org, gelesen am 22.08.2026).
Waschsoda oder Natron, der eine Unterschied, der zählt
In fast allen Filmrezepten oben steht Waschsoda, in unserem steht Natron, und der Grund dafür steht in den Grundlagen. Was hier zählt, ist die Folge: Ein Filmrezept unverändert auf einen Bogen Papier zu kippen, geht fast immer schief.
Was schiefgeht, und woran du es erkennst
Flächiger Grauschleier. Das Bild wirkt matt, auch unbelichtete Stellen sind nicht klar. Bei empfindlicheren Materialien ist das der klassische Fall für die kleine Menge Kaliumbromid, ohne Änderung der Zeit (photoinfos.com, gelesen am 22.08.2026).
Brauner Belag, der die Sicht nimmt. Während der Entwicklung legt sich ein bräunlicher Ton über das Material, und wer zu früh urteilt, hält das Bild für misslungen. Wässern, bis kein brauner Kaffeerest mehr sichtbar ist (photoinfos.com, gelesen am 22.08.2026). Dass die bräunliche Färbung an sich kein Fehler ist, steht in den Grundlagen.
Saure Bäder nach der Entwicklung. Für Fomapan-Filme rät die Quelle ausdrücklich von sauren Stopp- und Fixierbädern ab, um Emulsionsfehler zu vermeiden (photoinfos.com, gelesen am 22.08.2026). Für unseren Papierweg ist das ohne Belang, weil dort gar kein Fixierbad vorgesehen ist. Wir führen es trotzdem auf, weil es beim Lesen fremder Filmrezepte auftaucht.
Der Ansatz arbeitet gar nicht. Bleibt das Ergebnis fast leer, liegt es fast immer an einer der vier Stellschrauben, und zwar in dieser Reihenfolge: das falsche Alkali, nicht vollständig gelöste Zutaten, eine zu niedrige Temperatur, und erst danach die Belichtung. Die ersten drei sind Küchenfehler und schnell behoben.
Ein Bogen, kein Teststreifen
Hier liegt der Grund, warum diese Sortiererei bei uns anders wiegt als in den meisten Anleitungen. Wer einen Film entwickelt, hat ein Dutzend Bilder auf der Rolle, und wer im Labor Papier belichtet, zieht sich zuerst einen Teststreifen. In beiden Fällen ist ein misslungener Versuch Material, kein Verlust.
Deshalb steht in unserer Anleitung genau ein Rezept und nicht fünf, deshalb ist es auf Papier abgestimmt statt aus einem Filmrezept abgeleitet, und deshalb nennt sie feste Mengen statt einer Spanne. Wer diesen einen Ansatz sauber ansetzt, braucht die Varianten oben nicht. Wer sie kennt, versteht besser, warum unserer so aussieht, wie er aussieht.
Die vollständigen Schritte für diesen Weg stehen in der Anleitung, und was danach in der Schale passiert, in den Grundlagen.
Woher die Angaben stammen
Die Rezepte oben sind veröffentlichte Angaben Dritter, jeweils mit Quelle und Lesedatum. Wir haben sie nicht im eigenen Labor nachgeprüft, und für C-H wie C-L führen wir jeweils nur eine Quelle. Was wir aus eigener Praxis sagen können, betrifft den Weg, den unsere Kamera geht: einen Bogen Fotopapier, milde dosiert, in einer Küche unter rotem Licht.
Häufige Fragen
- Welches Caffenol-Rezept passt zu welchem Film?
Für normal empfindliche Schwarzweißfilme ist Caffenol-C-M der übliche Ausgangspunkt. Für empfindlichere Filme kommt eine Variante mit Kaliumbromid dazu, das die Schleierbildung dämpft. Für Ilford Delta und für Mikrofilm gibt es eigene, abweichend dosierte Rezepte. Fotopapier, wie es in unserer Kamera liegt, braucht wieder etwas anderes: einen milderen Ansatz.
- Warum nutzt Both In Time Natron statt Waschsoda?
Weil Papier empfindlicher reagiert als Film. Waschsoda ist das stärkere Alkali und in Filmrezepten Standard; Natron ist milder und passt zu einem einzelnen Bogen Fotopapier. Ausführlich steht das im Beitrag über die Grundlagen.
- Woran erkenne ich Schleier, und wie vermeide ich ihn?
Schleier zeigt sich als flächiger Grauton über dem ganzen Bild, auch dort, wo nichts belichtet wurde. Bei empfindlicheren Materialien wird deshalb eine kleine Menge Kaliumbromid zugegeben; die Entwicklungszeit bleibt dabei gleich.
- Was tun, wenn das Negativ fast leer bleibt?
Dann hat meist die Chemie nicht gearbeitet oder das Licht hat nicht gereicht. Prüfe der Reihe nach: das richtige Alkali, vollständig aufgelöste Zutaten, die Temperatur und erst danach die Belichtungszeit. Ein zu kurz entwickelter Ansatz sieht ähnlich aus wie eine Unterbelichtung.
- Kann ich ein Filmrezept eins zu eins auf Fotopapier übertragen?
Besser nicht. Die Mengenverhältnisse sind auf Film abgestimmt, und Papier reagiert anders auf ein starkes Alkali. Nimm ein Rezept, das für Papier gedacht ist, oder das, das unserer Kamera beiliegt.